1924: Ein Jugendfest am Waldesrand

Es lässt sich nicht mehr feststellen, auf wessen Initiative das „Jugendfest 1924“ zurückging, auch nicht an welcher Stelle es stattfand. Zu erkennen an den beiden Fotos unten ist jedoch, dass es irgendwo an einem Waldrand gewesen sein muss. Beide Aufnahmen eines unbekannten Fotografen stammen von Frau Erna Schaum, geb. Nickel, die damals selbst als Kind an dem Fest teilnahm.

Jugendfest 1924 (Erwachsene) von Farbkopie13xklDie Eltern

Jugendfest 1924 (Kinder) von Farbkopie13xklDie Kinder

1. Weltkrieg 1914-1918: Russische Kriegsgefangene in Krofdorf

Um die zahlreichen Landwirte zu ersetzen, die als Soldaten am 1. Weltkrieg teilnehmen mussten, kamen im Laufe des Krieges russische Kriegsgefangene ins Dorf. Im Gegensatz zu den russischen Gefangenen des 2. Weltkriegs galten sie nicht als missachtete „Untermenschen“, sondern waren zumeist Hausgenossen der Familien, denen sie zur Hand gingen. Wie jener junge Mann mit „Vatermörder“ auf dem Gruppenbild mit lauter Damen,  der als Knecht dem Landwirt Ludwig Schneider in der Fohnbachstraße 16 zugeteilt war.

Auf der Rückseite des nächsten Fotos ist vermerkt „Ruß Paul Kriegsgefangener im 1. Weltkrieg Hat diese Jahre bei uns gearbeitet“, nämlich bei „Moose“ (Leib) in der Inselstraße. Er soll, wie sich die Bildgeberin Frau Hildegard Heydorn erinnerte, ein Kosake gewesen sein. Paul wohnte allerdings nicht auf dem Hof, sondern wurde jeden Abend abgeholt und wieder morgens zur Arbeit gebracht.

Auf dem unten eingefügten Bild, das die Fotofreunde von Erika Drescher erhielten, hatten sich fünf von einer ansonsten unbekannten Zahl ihrer hier befindlichen Kameraden dem Fotografen gestellt. Ein Foto für ihre Familien? Möglicherweise. Aber auch, wie das obige, ein über die Zeit bewahrtes Zeugnis dafür, dass es sich um Menschen mit Würde handelte. Ihre Söhne, soweit sie später der Hitler-Wehrmacht in die Hände fielen, wurden zu Millionen als angebliche „Untermenschen“ dem Hungertod ausgesetzt.

5 Krofdorferinnen und 1 Russe (1915ca) 1k


Feldarbeit Kriegsgefangener 1. WK (1)kl5 russische Kriegsgefangene 1914-1918kl

1935: Musterung der Geburtsjahrgänge 1914 und 1915

Nach dem 1. Weltkrieg gab es in Deutschland keine Wehrpflicht mehr, die 1921 nach Vorgaben des Versailler Friedenvertrages aufgestellte sogenannte Reichswehr war eine Freiwilligenarmee beschränkt auf 100000 Mann. Das änderte sich nach der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten. Im Juli 1935 wurde wieder die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Damit waren die Geburtsjahrgänge 1914 und 1915 wehrpflichtig geworden. Auch in Krofdorf-Gleiberg.

Das unten eingefügte Foto aus dem Archiv der Fotofreunde entstand 1935 und zeigt die erste nun wehrpflichtig gewordene Nachkriegsgeneration junger Krofdorfer und Gleiberger  nach der Musterung. Die meisten davon mussten 1939 in den von Nazi-Deutschland ausgelösten Krieg ziehen, aus dem viele von ihnen nicht zurückkehrten.

Musterung 1935 Jahrgg 1914 und 1915 (1) k

1934: Erntedankfest

Danken für den Ertrag der Ernte hat in vielen Kulturen eine lange Tradition. 1933 aber bekam der „Erntedank“ in Deutschland eine neue Qualität: die an die Macht gekommenen Nationalsozialisten machten neben dem „Reichsparteitag“ und dem „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“ (1. Mai) den Erntedank zu einem ihrer wichtigsten Feste. Das erste von der NSDAP veranstaltete „Reichserntedankfest“ fand bereits im Herbst 1933 in Bückeburg bei Hameln statt.

Da wollte man in Krofdorf auch nicht abseits stehen. Ob man hier das erste örtliche Erntedankfest bereits 1933 ausrichtete, ist nicht bekannt, für 1934 aber gibt es Fotodokumente dazu, von denen eines unten eingefügt ist. Das Bild entstand im Garten der Gastwirtschaft Moos, es stammt aus dem Fotoarchiv der Fotofreunde Krofdorf-Gleiberg.

Erntedank 1934 (1)kl

1912: Übergabe des Kriegsdenkmals an der Burgstraße

„Ausgerechnet kurz vor dem 1. Weltkrieg erinnerte man sich, daß vor bald einem halben Jahrhundert Deutschland einen Krieg gegen Frankreich gewonnen hatte“, heißt es in einem Artikel des Gießener Anzeigers von 1960, und dass man es als eine Verpflichtung der Amtsbürgermeisterei Atzbach-Launsbach betrachtet habe, den 14 Gefallen aus den 12 Gemeinden (die zur Amtsbürgermeisterei gehörten) ein Denkmal zu setzen. Und so entschied man sich, ein solches Denkmal an der Burgstraße gegenüber dem Sitz der Amtsbürgermeisterei zu errichten. Mit dem Bau beauftragt wurde der in Krofdorf ansässige Bauunternehmer Karl Drescher, unbekannt indes ist, wer für den Entwurf des Denkmals zuständig war.

Das Denkmal war nicht nur den Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs gewidmet, sondern auch jenen des deutsch-dänischen 1864 und des österreichisch-preußischer 1866.

Das Foto unten aus dem Fotoarchiv der Fotofreunde Krofdorf-Gleiberg, aufgenommen von dem Fotografen Karl Weber, zeigt die Übergabe des Denkmals nach seiner Fertigstellung durch Baumeister Karl Drescher (ganz rechts) an den Amtsbürgermeister. 1960 wurde das Denkmal abgebrochen, dem vorausgegangen war ein Bürgerversammlung, bei welcher seiner Beseitigung zugestimmt wurde. Womit ein markanter Punkt für immer aus dem Dorfbild verschwand. 
Burgstraße Denkmal 1864-1866 1870-1871 (1)13x
Burgstraße Denkmal Fertigstellun 1912 (1)

1928: Arbeiter-Gesangverein „Heiterkeit“ Gleiberg in Hannover

Im Jahre 1928 fand in Hannover das 1. Sängerfest des Deutschen Arbeitersängerbundes statt. Daran nahmen auch 16 Mitglieder des Arbeiter-Gesangvereins „Heiterkeit“ Gleiberg teil und stellten sich dort mit ihrem Banner dem Fotografen.

16 Sänger in Hannover 1928 (3)kl

Sitzend von links: 1. Albert Laucht, 2. Franz Bremer, 3. Karl Leib
Stehend von links: 1. Albert Leib, 2. Ernst Drescher, 3. ?, 4. Gustav Henkel, 5. Minna Laucht, geb. Lust, 6. Adolf Koch, 7. Emmi Valentin, geb. Göbler, 8. Gustav Valentin, 9. Adolf Döring, 10. Paul Lautz, 11. Dienstmädchen der Gaststätte Feuser, 12. Karl Laucht, 13. Wilhelm Hillgärtner

 

1925: 1. Internationale Arbeiter-Olympiade in Frankfurt

An der 1. Internationalen Arbeiter-Olympiade vom 24. bis 28. Juli 1925 in Frankfurt nahmen auch Sportler der 1910 gegründeten Freien Turnerschaft Krofdorf teil. Damals und bis zum Verbot der Freien Turnerschaft zu Beginn der NS-Zeit gab es in Krofdorf zwei konkurrierende Sportvereine, eben die eher „links“ orientierte Freie Turnerschaft und den „Turnverein e. V.“, dessen Mitglieder mehrheitlich aus bürgerlichen und bäuerlichen Kreisen des Ortes stammten.

Auf der unten eingefügten Aufnahme aus dem Fotoarchiv der Fotofreunde Krofdorf-Gleiberg präsentieren sich im Garten der Gastwirtschaft Freund (später Bender, jetzt Lava) die Freien Turner , die an der Arbeiter-Olympiade in Frankfurt teilgenommen hatten.

Freie Turner Krofdorf 1925 (1)kl

1912: Radfahrerfest

Bereits zwei Jahre nach Gründung des Radsportvereins 1910 Teutonia Krofdorf fand ein großes Radfahrerfest statt. Von dieser Veranstaltung gibt es offenbar nur ein einziges Fotodokument, ein Bild vom Festzug, der sich von der oberen Hauptstraße (Steinhütt) aus in Richtung Dorfzentrum bewegt. Man achte auf die dem Ereignis angemessene Kleidung der Festjungfrauen!

Radfahrerfest 1912 (1)k

15. Februar 1926: Eröffnung der Buslinie Gießen-Krofdorf-Fellingshausen

Es muss für Krofdorf ein besonderer Tag gewesen sein, als die Buslinie Gießen-Krofdorf-Fellingshausen am 15. Februar 1926 ihren Betrieb aufnahm. Auf dem Foto aus dem Archiv der Fotofreunde sieht man die Honoratioren der Gemeinde mit dem neu in Dienst gestellten Omnibus vor der Gastwirtschaft Hubert Freund (später August Bender, heute Lava). In welchem Takt der Bus dann die Strecke bediente, ist nicht bekannt. Für die in Gießen beschäftigten Werktätigen jedenfalls war es eine große Erleichterung, ab jetzt bequem an ihre Arbeitsstelle zu gelangen.

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